kleines Landeswappen CVUA-Logo

Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe

Lebensmittelüberwachung und Tiergesundheit im Regierungsbezirk Karlsruhe

Aphrodisiaka: Arzneimittel?

Im Jahr 2004 wurden dem CVUA Karlsruhe eine Reihe pflanzlicher Präparate zur Beurteilung vorgelegt, die nach ihrer objektiven Zweckbestimmung, die sich aus der Art der Bestandteile, der Zusammensetzung, der Aufmachung und Werbung ergab, der Gruppe der Aphrodisiaka zuzuordnen waren.

Diesen Produkten ist gemeinsam, dass zumindest in der Volksmedizin der Herkunftsländer eine Vorstellung besteht, dass mit der Anwendung Einfluss auf die sexuellen Empfindungen und/oder die Potenz genommen wird. Aphrodisiaka nehmen Einfluss auf den Zustand und die Funktionen des Körpers; sie sind Arzneimittel im Sinne des Arzneimittelgesetzes. Beispiele solcher als Aphrodisiaka zu beurteilender Produkte waren:

DAMIANA-BLÄTTER

Aus dem Angebot im Einzelhandel außerhalb der Apotheken wurden Damiana-Blätter bzw. -Kraut als Einzeldroge zur Beurteilung vorgelegt. Die Droge wurde zur Verwendung als Teezubereitung oder zur Anwendung als Räucherwerk unter Hinweis auf die Eigenschaft als Aphrodisiakum in den Verkehr gebracht. Damiana ist eine Pflanze aus der Familie der Turneraceae, die in Südkalifornien bis Argentinien heimisch ist. Damianablätter enthalten ätherisches Öl, Harze, Bitterstoffe und Gerbstoffe. Die Droge wird in den Herkunftsgebieten in der indianischen Volksheilkunde bei Asthma, als Diuretikum, bei Muskelschwäche, Nervosität, zur Regulation der Menstruation sowie als Aphrodisiakum arzneilich verwendet. Geraucht induziert die Droge eine leichte Euphorie und Entspannung, als Tee getrunken sind diese Effekte nur abgeschwächt wahrnehmbar. Die Droge wurde vermutlich schon in prähistorischer Zeit in Nordmexiko und im Mayagebiet als Medizin und Liebestrank verwendet. Seit Ende der sechziger Jahre gilt die Pflanze als legaler Marihuana- bzw. Tabakersatz.

POTENZHOLZ

Als Potenzholz („Muira puama”) wird die Rindendroge eines in Südamerika, besonders Brasilien, heimischen Baums bezeichnet. Als Inhaltsstoffe der Droge werden Estergemische, daneben Alkohole, Fettsäuren und Lupeol angegeben. Angewendet wird die Droge in der Volksheilkunde als Tonikum und Aphrodisiakum.

XANTHOPARMELIA SCARBOSA

Diese Pflanze ist eine chinesische Flechtenart. Eine Recherche des CVUA Karlsruhe ergab, dass dort eine Reihe von Vertriebsunternehmen für Produkte mit dem Gehalt an Bestandteilen aus dieser Pflanze werben (verwendet werden die getrockneten Pflanzenteile). Die Wirkung als Aphrodisiakum ist allerdings nach hiesigem Verständnis nicht belegt.

EPIMEDIUM MACRANTHUM (AUCH HORNY GOAT WEED)

Diese Pflanze ist in Korea, China und Nordjapan heimisch. Als Droge wird die ganze Pflanze verwendet; sie findet in der asiatischen Volksheilkunde als Aphrodisiakum mit Langzeitwirkung Anwendung. Diese Wirkung ist allerdings nach hiesigem Verständnis sehr fraglich. Im übrigen lagen unter anderem aus Sexshops auch topisch im Genitalbereich anzuwendende Gele mit einem deklarierten, prägenden Gehalt einer Zubereitung aus Epimedium macranthum neben hautreizenden und durchblutungsfördernden Wirkstoffen vor, die zu einer Steigerung der sexuellen Empfindungen beitragen sollen. Auch diese Produkte sind als Arzneimittel einzustufen.

JUCKBOHNE (MUCUNA PRURIENS)

Es handelt sich um eine Pflanze aus der Familie Leguminosae, die in Indien heimisch ist. Als Droge verwendet wird die getrocknete Frucht, Fructus Stizolobii. Inhaltsstoffe der Juckbohnen sind Prurienin, Mucunin, Dihydroxyphenylalanin, Indol-3-Alkylamine. Die zu Pulver zerriebenen Samen dienen in der indischen Volksheilkunde zur Erzeugung halluzinogener Zustände, die eng mit der (begrenzten) Wirksamkeit als Aphrodisiakum verbunden zu sein scheint.

„MACA”

Maca ist die Droge aus Lepidium meyenii, einer Knollenpflanze, die in den Hochregionen Südamerikas heimisch ist und dort von den Einheimischen angebaut wird. Die Werbung führt als Inhaltsstoffe der Droge neben Aminosäuren, Kohlenhydraten, Spurenelementen und Vitaminen den Gehalt an Steroidglycosiden und von Jod an. „Maca” wird eine starke tonisierende Wirkung zugesprochen und daher insbesondere zur Anwendung von Kraftsportlern und Bodybuildern zur Steigerung ihrer Energie und des Trainingserfolges empfohlen. US-Firmen geben im Internet für „Maca” eine Verwendung als Aphrodisiakum an.

POLYPODIUM VULGARE (ENGELSÜSSWURZELSTOCK)

Als Droge wird der getrocknete, ganze Wurzelstock verwendet. Als Inhaltsstoffe der Droge werden ein Steroid, Saponine, ätherisches Öl und anderes genannt. In Deutschland ist die Verwendung dieser Droge veraltet. Die Recherchen des CVUA Karlsruhe ergaben, dass Engelsüßwurzelstock Bestandteil verschiedener Präparate ist, die durch US-amerikanische Firmen als Aphrodisiaka und Mittel gegen Potenzstörungen in den Verkehr gebracht wurden. Ein Vertriebsunternehmer warb damit, dass mit der Gabe der Droge die Bildung von Androsteronen im Körper des Mannes gefördert werden kann, was zur Steigerung der Libido und Verstärkung der Manneskraft führen soll. Da ist wohl eher der Wunsch der Vater des Gedankens.

TRIBULUS EXTRACT

Tribulus terrestris (Erdburzeldorn) ist eine Arzneipflanze, die vom Mittelmeergebiet und über das tropische Afrika bis nach Zentralasien vorkommt. Charakteristische Inhaltsstoffe des Erdburzeldorns sind Steroidsaponine sowie Flavonoide und in Spuren Harmanalkaloide. Die Droge gilt als diuretisch wirksam und sie ist in der Ayurveda-Medizin als Mittel gegen Uroithiasis (Blasensteine) bekannt. Wässrige Extrakte erwiesen sich im Tierversuch als analgetisch wirksam. Tribulus terrestris werden in der gängigen Bodybuilding-Literatur Wirkungen auf Grund der Erhöhung der natürlichen Testosteronausschüttung und die Erhöhung der Ausschüttung von luteinisierendem Hormonen zugeschrieben. Dies soll dem Körper signalisieren, mehr Testosteron in das Blut abzugeben, was zur Verbesserung des Muskelaufbaus und somit Leistungssteigerung beim Bodybuilding, und Verbesserung der „Manneskraft” bei Männern mit Potenzproblemen führen soll.

„SIBERIAN GINSENG”

Sibirischer Ginseng („Taigawurzel”)ist eine Droge aus Eleutherococcus senticosus. Diese Pflanze kommt in Russland (Ostsibirien), Japan, Korea und Nordchina vor. Arzneilich verwendet werden die ganzen oder geschnittenen, getrockneten, unterirdischen Teile. Die Droge wird verwendet als Tonikum zur Stärkung und Kräftigung bei Müdigkeits- und Schwächegefühl, nachlassender Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit sowie in der Rekonvaleszenz. Auf Grund dieser Eigenschaften hat die Verwendung der Droge als Bestandteil der Kapseln mit der Zweckbestimmung als Aphrodisiakum seinen Sinn.

zurück zur vorhergehenden Seite

 

©2003−2005 CVUA KA   Impressum •  Untersuchungsämter BW  •  zum Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum