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Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe

Lebensmittelüberwachung und Tiergesundheit im Regierungsbezirk Karlsruhe

Auch Lippenstifte sind nicht ewig haltbar: Bildung von hautreizenden Peroxiden muss verhindert werden

Lippenstifte, die ranzig riechen, können hohe Peroxidgehalte aufweisen und die empfindliche Lippenschleimhaut reizen.

Seit März 2005 müssen kosmetische Mittel, die länger als 30 Monate haltbar sind, mit einem Hinweis auf die Verwendungsdauer nach dem Öffnen (period after opening) versehen werden. Der Hersteller muss durch geeignete Rezeptur und Herstellungstechnologie gewährleisten, dass sich die Qualität seiner Produkte während der von ihm angegebenen Zeitspanne selbst bei täglichem Gebrauch weder in mikrobiologischer noch in chemischer Hinsicht verändert.

Ein Beispiel für eine mögliche chemische Veränderung, die es zu berücksichtigen gilt, ist die Bildung von Peroxiden in Lippenstiften. Lippenstifte werden häufig lange benutzt und ungünstigen Lagerbedingungen ausgesetzt. So ist es durchaus möglich, dass das eine oder andere Produkt ranzig wird und sich dabei Peroxide bilden, insbesondere auch wenn qualitativ minderwertige Ausgangsstoffe verwendet werden.

Die Hauptbestandteile von Lippenstiften sind Wachse, Mineralöle und Rizinusöl, daneben Farbstoffe, Konservierungsmittel und weitere Pflegestoffe.

Fette und Öle, insbesondere ungesättigte Fettsäuren wie Rizinusöl als einfach ungesättigte Monohydroxyfettsäure, unterliegen auch unter normalen Lagerbedingungen einem Verderb, der als Ranzigkeit oder Peroxidierung bezeichnet wird. Die durch diesen Prozess gebildeten Alkohole, Aldehyde und Ketone bewirken den ranzigen Geruch. Bei der Peroxidzahl (POZ), eine Kennzahl für die Peroxidierung eines Produktes, handelt es sich um einen dynamischen Wert, der in Abhängigkeit von den Lagerbedingungen zunehmen, durch Folgereaktionen in nativen und raffinierten Ölen aber auch wieder abnehmen kann. Während z.B. Rizinusöl DAB-Qualität eine POZ bis zu 5 meq O2/kg enthalten darf, gibt es für Lippenstifte mit unterschiedlichen Mengen an Rizinusöl oder pflanzlichen Wachsen keine POZ-Grenzwerte.

Da die gebildeten Peroxide auch zu Irritationen der empfindlichen Lippenpartien führen können, haben wir im Jahr 2005 Lippenstiftproben auf ihre Peroxidzahl überprüft. In der Regel lagen bei den untersuchten Lippenstiftproben die Peroxidzahlen bei sensorisch einwandfreien Produkten zwischen 1 und 5, in Einzelfällen auch bei 10 meq O2/kg.

Bei drei Proben allerdings lagen die Peroxidzahlen mit 30, 62 und 67 meq O2/kg weit darüber. Diese Proben, die keine Antioxidantien enthielten, wiesen auch einen stark ranzigen Geruch auf. Antioxidantien werden Lippenstiften in der Regel als Schutz vor Peroxidbildung zugesetzt. Die Hersteller dieser Produkte wurden aufgefordert, im Rahmen ihres Qualitätsmanagementsystems sicher zu stellen, dass keine überlagerten und peroxidbelasteten Rohstoffe eingesetzt werden und dass die von ihnen angegebene Verwendungsdauer auch tatsächlich zutrifft.

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