In den Umwelt-Laboratorien mit den Hauptgebieten Allgemeine Verunreinigungen (Oberflächengewässer/Grundwasser/Umweltverunreinigungen) und Mineralölverunreinigungen/Abwasser/Abfall werden Proben untersucht, die aufgrund von Anzeigen wegen Vergehen gegen die Umwelt, wegen Überwachungsaufgaben oder wegen Überprüfungen behördlicher Auflagen eingeliefert werden.
Dies sind in erster Linie Wasserproben und Bodenproben, dazu umweltverunreinigende Flüssigkeiten und Feststoffe. Die Untersuchung gasförmiger Proben gehört nicht zu unseren Dienstaufgaben. Im Berichtsjahr waren dies insgesamt 803 Proben.
Die überwiegende Probenzahl wird von den WKD-Dienststellen, der Wasserschutzpolizei oder auch anderen Polizeidienststellen, Gesundheitsämtern, Gewerbeaufsichtsämtern und kommunalen Dienststellen eingeliefert. Ein kleiner Teil der Proben wird im Rahmen der Amtlichen Abwasser- und Grundwasserüberwachung durch Bedienstete des CVUA selbst entnommen.
Die Einlieferung von Umweltproben ist nicht planbar, da mit ihnen auf Ereignisse wie Fischsterben, Auffälligkeiten in Gewässern oder sonstige Ereignisse in der Umwelt reagiert wird. Das Probenaufkommen im Jahr 2003 erhöhte sich noch zusätzlich durch Einlieferungen (insgesamt 144 Proben) aus anderen Landkreisen des Regierungsbezirks Stuttgart, weil das Umweltlabor des CVUA Stuttgart nach Pensionierung des dortigen Leiters aufgelöst und die anfallenden Proben von den anderen Häusern solidarisch mitbearbeitet wurden. Das Ziel der Untersuchungen im Umweltbereich besteht nicht darin, eine rechtliche Beanstandung wie im Lebensmittelbereich auszusprechen, sondern sie sollen in erster Linie Auffälligkeiten oder vom Durchschnitt deutlich abweichende Werte aufdecken, die den einliefernden Stellen mitgeteilt werden. Die sich daraus ergebenden möglichen ordnungs- oder gar strafrechtlichen Konsequenzen werden dann von diesen Stellen verfolgt.
Gewässer- und Bodenverunreinigungen durch Mineralöl kommen recht häufig bei den Umweltdelikten vor, was allein aus der Tatsache zu erklären ist, dass Mineralölprodukte sowohl als Treib- und Schmierstoffe im Kraftfahrzeugbereich als auch als Heizöl die am weitesten verbreitete Gruppe "wassergefährdender Stoffe" darstellt. Das Spektrum der Untersuchungen reicht dabei von den Klassischen" Mineralölunfällen, bei denen größere Mengen Öl bei der nsachgemäßen Lagerung (Leckage) oder Befüllung (Überfüllung) in die Umwelt gelangen, bis hin zu geringen, jedoch optisch stark auffälligen Ölaustritten in Gewässer. Je geringer die isolierte Ölmenge in den eingelieferten Proben ist, desto schwieriger wird eine eindeutige Zuordnung zu einem bestimmten Verursacher.
Zwei Einlieferungsserien hatten solche geringen Ölmengen als Auslöser, wobei in einem Fall schon die "Verlustschmierung", d.h. das regelmäßige Nachführen weniger Tropfen Öl in einer Turbine zu dem schillernden Ölfilm auf dem Gewässer führte.
Besonders leichter flüchtige Mineralölprodukte verändern ihre Zusammensetzung beim starken Ausbreiten auf der Wasseroberfläche, da zum einen eine geringe, aber doch merkliche Wasserlöslichkeit vorliegt, und zum andern die Verdunstung auf der großen Oberfläche begünstigt wird. Von Binnenschiffen ausgehende Verunreinigungen sind daher oft nicht mit der nötigen Sicherheit auf die sichergestellten Ölreste an Bord der Schiffe zurückzuführen.
Bei einer Verunreinigung auf dem Neckar durch Öl, das sich im Schleusenbereich angesammelt hatte, war der Zusammenhang mit dem Vergleichsöl vom verdächtigen Schiff allerdings eindeutig auszuschließen.
Mineralölprodukte verändern sich auf eine andere Art und Weise, wenn sie in guten Kontakt mit belebtem Boden mit Zutritt von Luft und Wasser geraten. Die Zusammensetzung besonders von sog. "Mitteldestillaten" (Heizöl EL und Dieselöl) erfährt dann eine charakteristische "Alterung", erkennbar an den gaschromatographisch erzeugten Signalmustern: bei den gealterten Ölen fehlen in der Regel durch mikrobiellen Abbau bedingt die längerkettigen n-Alkane, dadurch sind verstärkt einzelne endverzweigte Iso-Alkane wie Pristan, Phytan auszumachen.
In einem ölbelasteten Teich konnte dadurch nachgewiesen werden, dass sowohl im vorderen Bereich "frisches" wie auch im hinteren Bereich "gealtertes" Öl aus dem Kraftfahrzeugbereich vorhanden war. Es musste somit eine wiederholte Verunreinigung stattgefunden haben. Insgesamt wurden hier bei 22 Einlieferungsserien 69 Proben auf Ölbelastungen untersucht.
Beim Grundwasser (mit 217 Proben zahlenmäßig die größte Gruppe) handelte es sich in erster Linie um Untersuchungen auf Kontaminationen mit leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen (CKW) in der Region Heidelberg-Mannheim, wo der Verlauf und die Entwicklung von Grundwasserschadensfällen zusammen mit den örtlichen Ämtern überwacht werden. Durch Sanierungs- und Abpumpmaßnahmen konnten in den vergangenen Jahren deutliche Abnahmen bei den Kontaminanten (Tri- u. Perchlorethylen, 1,1,1-Trichlorethan) festgestellt werden. Das von den in diesen Verunreinigungsgebieten gelegenen Wasserwerken abgegebene Trinkwasser wurde verstärkt auf eventuelle Gehalte an CKW überprüft. In keiner der untersuchten Proben wurde eine Überschreitung der CKW-Grenzwerte nach der Trinkwasserverordnung festgestellt. In der Regel lagen die Werte im Bereich < 3 µg/L.
Gewässerverunreinigungen (107 Proben) und Fischsterben (114 Proben): In der Regel sind Fließgewässer heutzutage Vorfluter für alle mehr oder weniger gut gereinigten (manchmal auch gänzlich ungereinigten) Abwässer, die wir durch unser Leben, Handeln und Wirtschaften erzeugen. Dementsprechend unterschiedlich sind die daraus resultierenden Gewässerverunreinigungen, deren auffälligste Art die Fischsterben sind.
Die wichtigsten Ursachen hierfür sind:
Bedauerlicherweise ließ sich bei etwa der Hälfte wegen Fischsterben eingelieferten Probenserien aus den chemischen Befunden keine Ursache herausarbeiten. Zumeist liegt das daran, dass zwischen dem Auftreten bzw. der Beobachtung von toten Fischen und der Probenahme soviel Zeit vergangen war, dass die Schadstoff-Welle nicht mehr durch die Proben erfasst werden konnte. Darüber hinaus gibt es auch biologische Ursachen wie Fischseuchen, (in drei Vorgängen vermutet) oder im Einzelfall auch nachgewiesen wurde (Rotseuche von Aalen).
Ebenfalls biologisch bedingt waren 3 Fischsterben, bei denen herabgefallene und durch Kraftfahrzeuge zu Mehl kleingefahrene Rosskastanien in Gewässer eingeschwemmt wurden. Dieses Mehl enthält schnell und stark fischtoxische Saponine, in diesem Fall das Aescin, das als Glykosid auf Triterpen-Basis im Wasser eine kolloidale, seifenartige Lösung bildet.
Sehr ungewöhnlich waren zwei Einlieferungen zu einem Fischsterben, bei denen in Fischen, Gewässer- und Kanalisationsproben hohe Gehalte an Pestiziden (Endrin/Aldrin/DDT) gefunden wurden, die heute nicht mehr auf dem Markt sind und deren Anwendung seit längerem nicht mehr zulässig ist. Der spezielle "Mix" war bis zu einem Waschbecken zurückzuverfolgen, in das offensichtlich gesammelte Spritzmittelreste, als solche nicht gekennzeichnet, ausgeleert worden waren.
Fischsterben durch Störfälle in Kläranlagen mit Eintrag ungenügend gereinigten Abwassers und solche durch Störfälle in Schwimmbädern, bei denen das als Desinfektionsmittel eingesetzte Chlor in den Ablauf zum Gewässer geriet, ließen sich anhand der Wasserproben nachvollziehen.
Gewässerverunreinigungen durch optisch stark auffällige Verfärbungen wurden vermehrt eingeliefert. Die weitaus meisten Trübungen/Verfärbungen (16 Einlieferungen mit 40 Proben) waren weißlich und meistens auf Dispersionsfarbe zurückzuführen, was sich oft über das als weißes Pigment eingesetzte Titandioxid nachweisen ließ. Zwei Verunreinigungen waren auf blaue und rote Farbstoffe zurückzuführen. Ein Kühlwasser eines Industriebetriebes fiel durch starke braune Verfärbung im Vorfluter auf, was sich auf rostartige Ausfällungen des wenig löslichen dreiwertigen Eisens zurückführen ließ. Dieses entstand durch Luftkontakt aus dem im Brunnenwasser vorhandenen, weitaus besser löslichen zweiwertigen Eisen.
Interessant war die Einlieferung von Wasserproben aus dem Bereich einer privaten Fischzucht im Bereich Freudenstadt. Hier kam es immer wieder nach stärkeren Regenereignissen zu deutlichen Eintrübungen in den Fischbecken. Die Untersuchung ergab, dass sich neben der Trübung auch typische Abwasserparameter wie Ammonium, Nitrit, Phosphor, Bor, DOC, CSB und AOX in unterschiedlich erhöhten Konzentrationen gegenüber dem Quellwasser vorlagen. Bereits in den Jahren 1988 bis 1991 waren wir mit der Aufklärung der Herkunft der Verunreinigung befasst gewesen. Damals konnte eine undichte Abwasserleitung (kommunale Kanalisation) als Ursache ermittelt werden, worauf umfangreiche Sanierungsmaßnahmen durchgeführt wurden. Welche Ursache diesmal vorlag - ob sich wiederum ein Schaden an der kommunalen Kanalisation ereignet hatte - war bis zur Erstellung dieses Jahresberichts nicht in Erfahrung zu bringen.
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