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Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe

Lebensmittelüberwachung und Tiergesundheit im Regierungsbezirk Karlsruhe

Schlank durch Nahrungsergänzungsmittel − geht das?

Abnehmen, ohne sich beim Essen und Trinken einschränken zu müssen − das ist ein weit verbreiteter Wunschtraum! Findige Anbieter machen es sich zunutze und bringen eine große Palette von Nahrungsergänzungsmitteln zur Unterstützung der Gewichtsabnahme auf den Markt. Angeblich sollen diese den schlankmachenden Effekt von Abnehm-Diäten steigern. Manchmal wird sogar versprochen, dass man damit „von alleine” schlank wird.

Pauschal formuliert: diese Mittel sind wirkungslos − oder aber es handelt sich um (nicht zugelassene) Arzneimittel, die wegen den möglichen gravierenden gesundheitlichen Risiken wenn überhaupt nur unter ärztlicher Aufsicht verwendet werden dürfen (siehe Ephedrin). Eine Gewichtsabnahme mit Lebensmitteln ist nur bei Einschränkung der Kalorienzufuhr und/oder deutlicher Erhöhung des Kalorienverbrauchs durch verstärkte körperliche Bewegung zu erzielen.

Dennoch versprechen solche Nahrungsergänzungsmittel oft Unmögliches, damit sie gut verkauft werden. Einige Beispiele von unzulässigen Werbeaussagen, die regelmäßig von uns beanstandet werden:

  • Die Wissenschaft bestätigt: 18 Kilo weg − ohne Diät.
  • Da quält man sich von Diät zu Diät und wird mit keiner glücklich. Weil die abgehungerten Pfunde in Windeseile wieder drauf sind. Jetzt wird alles anders: mit … . Das ist ein neuer Schlankstoff (rezeptfrei in Apotheken), der den Fettstoffwechsel mit Riesen-Abnehmkraft überlistet.
  • Die Wirkstoffe regen den Stoffwechsel völlig natürlich an. Alles läuft schneller ab, vor allem der Fettabbau. Der Körper verbrennt schneller die aufgenommene Nahrung und auch die alten Fettreserven bleiben nicht verschont. Man wird schlanker, fühlt sich positiv, energiegeladen und einfach gut!
  • Wer Kohlsuppe isst, … kann damit in kurzer Zeit sein Gewicht reduzieren. In jeder …-Kapsel sind jetzt alle Wirkstoffe zum Schlankwerden hochkonzentriert enthalten.
  • Die entwässernde Kraft des Spargels wird auch häufig als unterstützendes Element im Rahmen einer „Schlankheitsdiät” genützt.

Die verwendeten Wirkstoffe wechseln regelmäßig, sobald zu viele Verbraucher die Wirkungslosigkeit erkannt haben. Momentan am häufigsten eingesetzt werden:

Ephedrin

Ephedrinhaltige Produkte (Ephedra-Kraut, auch Ma-Huang oder Meerträubel genannt) werden insbesondere über das Internet als Schlankheitsmittel mit appetitzügelnder und fettabbauender Wirkung vertrieben. Die fettabbauende Wirkung soll auf der Anregung des Stoffwechsels durch das Alkaloid Ephedrin und einem damit verbundenen erhöhten Kalorienverbrauch beruhen. Außerdem wirkt Ephedrin stark entwässernd. Die übliche Kombination mit Coffein erhöht nicht nur die Wirkungen, sondern auch das Gesundheitsrisiko. Ephedrin-haltige Produkte sind nach deutschem Recht apothekenpflichtige − u.U. auch verschreibungspflichtige − Arzneimittel. Bereits 2002 warnten verschiedene Gesundheitsbehörden in Kanada, USA und Deutschland vor dem Verzehr solcher Produkte wegen den bekannt gewordenen Gesundheitsschäden. 20 Todesfälle in den USA und Hunderte von Fällen schädlicher Nebenwirkungen seien in den letzten Jahren damit in Verbindung gebracht worden. In den USA hat die FDA inzwischen die Vermarktung von Nahrungsergänzungsmitteln, die Ephedrin-Alkaloide enthalten, im Hinblick auf die schwerwiegenden gesundheitlichen Bedenken gegen diese Stoffe untersagt. Dennoch werden weiterhin Schlankheitsmittel mit Ephedrin als Wirkstoff über das Internet angeboten.

Synephrin

Synephrin ist ein dem Ephedrin verwandtes Alkaloid, welches in Form von Bitterorangen-Extrakt als Ersatz für Ephedrin eingesetzt wird. Die Wirksamkeit ist der von Ephedrin ähnlich, daher sind auch Produkte mit Synephrin nach deutschem Recht Arzneimittel. Dennoch ist die Situation im Hinblick auf Synephrin nicht ganz vergleichbar. Diese Substanz wird zwar i.d.R. vollmundig beworben, ist aber nach unseren Analysen i.Allg. nicht oder allenfalls in äußerst geringen Spuren in den verwendeten Extrakten enthalten.

Coffein

Coffein, oder Coffein haltige Zutaten wie z.B. Guarana, Grün- oder Schwarztee, Mate Tee, Cola-Samen, sollen durch ihre den Stoffwechsel anregende Wirkung den Kalorienverbrauch erhöhen und den Abbau von Körperfett ankurbeln. Auch ihre entwässernde Wirkung soll zur Gewichtsabnahme beitragen. I.d.R. enthalten die Nahrungsergänzungsmittel jedoch nur Coffeinmengen, die etwa ein bis zwei Tassen Kaffee am Tag entsprechen. Schon dieser Vergleich zeigt, dass nur eine sehr geringe Wirkung zu erwarten ist. Für eine merkliche Gewichtsverringerung würden arzneiliche Dosierungen von Coffein benötigt, die erhebliche Nebenwirkungen haben (Magen-Darm-Beschwerden, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Zittern).

Carnitin

Carnitin ist eine körpereigene Substanz, die im Fettstoffwechsel gebraucht wird. Daraus leiten Anbieter von Schlankheitsmitteln her, dass eine zusätzliche Carnitin-Zufuhr eigentlich den Fettstoffwechsel ankurbeln und dadurch unerwünschte Fettpölsterchen abbauen müsste. Diese Annahme ist sicherlich sehr werbewirksam und klingt auch überzeugend, leider sind sich aber die Fachleute einig, dass Carnitin als Schlankheitsmittel völlig unwirksam ist. Der Körper bildet es nämlich in ausreichenden Mengen, im übrigen wird schon mit der normalen Ernährung genügend Carnitin zugeführt. Überschüssiges Carnitin macht nicht schlank, sondern wird einfach über den Urin ausgeschieden.

entwässernd wirkende Pflanzen (-extrakte)

Spargel, Fenchel, Sellerie, coffeinhaltige Tees, Wacholder sowie zahlreiche andere Pflanzen (-extrakte) werden in Schlankheitsmitteln wegen ihrer entwässernden Wirkung eingesetzt. Durch den Wasserverlust zeigt die Waage in den ersten Tagen tatsächlich eine deutliche Gewichtsabnahme an. Das Körperfett ist aber unverändert geblieben, das ausgeschwemmte Wasser wird i.Allg. innerhalb kurzer Zeit wieder vom Körper ersetzt (erneuter Gewichtsanstieg). Schlank wird man nicht durch Entwässerungs-Maßnahmen, sondern nur durch Abbau der störenden Fettpolster. Wenn in seltenen Fällen Übergewicht durch krankhafte Wassereinlagerungen ins Gewebe verursacht wurde, muss dies ärztlich behandelt werden!

Chitosan

Chitosan wird als Fettbinder beworben, der im Magen-Darm-Trakt wie ein Schwamm das Nahrungsfett aufsaugt und es so für den Körper unverwertbar macht. Rechtlich gesehen sind solche Mittel keine Nahrungsergänzungsmittel, sondern Medizinprodukte. Es wäre schön, wenn durch eine solch einfache Maßnahme ein fettes Essen zum mageren gemacht werden könnte. Bisher konnte nur noch nicht bewiesen werden, dass das tatsächlich funktioniert

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