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Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe

Lebensmittelüberwachung und Tiergesundheit im Regierungsbezirk Karlsruhe

Goldhafervergiftung in einem Ziegenbestand

In einem größeren Ziegenmilchbetrieb in Nordbaden traten im Verlauf des Jahres vermehrt Nachgeburtsverhaltungen, starke Milchleistungsrückgänge und erschwerte Atmung auf.

Aufgrund auffälliger Lungenbefunde (Verkalkungsherde) bei der Fleischbeschau wurden Sektionen von Tieren aus diesem Bestand durchgeführt. Die untersuchten Tiere waren abgemagert, zeigten eine generalisierte Arterienverkalkung und eine beidseitige partielle Verkalkung von Lungengewebe.

verkalktes Lungengewebe
Abb.: verkalktes Lungengewebe

Die Untersuchungsbefunde sprachen für eine ausgeprägte Kalzinose wie sie nur infolge einer Vitamin-D-Überversorgung oder aufgrund einer Goldhafervergiftung entstehen können. Eine Vitamin-D-Übersorgung konnte ausgeschlossen werden. Goldhafer wächst unter den klimatischen und geologischen Bedingungen im Einzugsbereich des Ziegenbestandes nicht. Es stellte sich heraus, dass der Betrieb infolge der ernormen Trockenheit im Jahr 2003, Heu für die Winterfütterung zukaufen musste. Dieses stammte von der Schwäbischen Alb, wo Goldhafer aufgrund der dort herrschenden Bedingungen heimisch ist. Goldhafer (Trisetum flavescens) einst als wertvolle Futterpflanze angesehen wächst vorwiegend auf den voralpinen Grünflächen und der Schwäbischen Alb in Lagen über 500 m ü. M. Diese Pflanze enthält Substanzen die analog des Vitamin D in den Kalziumstoffwechsel eingreifen, jedoch vom Körper selbst nicht gegenreguliert werden können. Eine Therapie bei Auftreten der Symptome ist nicht möglich. Dieses Beispiel zeigt, dass nach wie vor eine genaue Futteranalyse notwendig ist.

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