
Kryptosporidien sind einzellige Parasiten (Protozoa), die im Darm verschiedener Säugetierarten und beim Menschen parasitieren. Bei den betroffenen Spezies verursachen sie in erster Linie Durchfälle. Die Parasiten vermehren sich in einem komplizierten Entwicklungszyklus der in den Epithelzellen des Darmes stattfindet. Ab dem 3.–6. Infektionstag werden große Mengen infektionsfähiger Stadien (Oozysten) mit dem Kot ausgeschieden.
Die Art Cryptosporidium parvum ist der beim Kalb der am häufigsten isolierte Durchfallerreger. Der Parasit verursacht eine typische Jungtiererkrankung im Alter von fünf bis 14 Tagen, wobei das Ausscheidungsmaximum von Oozysten bei elf Tage alten Kälbern beobachtet wird. Die Erkrankung äußert sich mit fauligem, gelblich-grünem oder wässrigem Durchfall und Gewichtsverlust und tritt häufig als Bestandsproblem auf. Obwohl er weniger aggressiv ist als beispielsweise Salmonellen, kann eine Infektion durchaus tödlich verlaufen. Klinisch kranke Tiere scheiden etwa eine Woche lang bis zu 40 Milliarden Oozysten mit dem Kot aus. Auch erwachsene, klinisch unauffällige Tiere können Oozysten ausscheiden und neugeborene Kälber können sich so infizieren. Die Infektion erfolgt fäkal-oral, wobei schon etwa 50 Oozysten für einen Krankheitsausbruch ausreichen. Die Infektionsstadien können außerhalb des Wirtes lange Zeit überleben, da ihnen selbst starker Frost und gängige Desinfektionsmittel nichts anhaben können. Da Cryptosporidium parvum zu Autoinfektionen neigt, ist der Krankheitsverlauf langwieriger als bei anderen Durchfallerregern und die Therapie sollte nicht zu früh beendet werden.

Die Diagnose erfolgt durch den Nachweis von Oozysten im Kot erkrankter Tiere. Es handelt sich um einen Direktnachweis mittels Phasenkontrastmikroskopie. Zur Prophylaxe wurden verschiedenste Fütterungsarzneimittel (unter anderem Ionophore, Amprolium, Sulfonamide und Paromomycin) ausgetestet, aber alle haben sich als zu wenig wirksam erwiesen. Demzufolge haben sich als Bekämpfungs- und Prophylaxemaßnahmen Sauberkeit, Desinfektion, frühzeitige und ausreichende Kolostrumgabe bewährt. Der Keimdruck in der Umgebung der Neugeborenen sollte so niedrig wie möglich gehalten werden, das bedeutet, dass Kälber nicht zu lange in Abkalbeboxen bleiben sollten, sondern schnellstmöglich in saubere Boxen zu verbringen sind. Außerdem sollte eine regelmäßige Fliegenbekämpfung durchgeführt werden.
Kryptosporidien gelten als Zoonoseerreger. Eine Infektion des Menschen erfolgt in erster Linie über kontaminiertes Wasser oder Nahrungsmittel. Oozysten können beispielsweise ins Trinkwasser gelangen, und zwar insbesondere dann, wenn Rinder in Wassergewinnungsgebieten gehalten werden. Eine Gefährdung liegt nur bei Personen mit einem geschwächten Immunsystem (z.B. AIDS-Patienten) vor und kann zu einem Krankheitsausbruch führen. Neuere Untersuchungen deuten allerdings darauf hin, dass in Wiederkäuern und Menschen jeweils spezifische Stämme vorherrschen.
Im Jahr 2005 wurden 158 Kälberkotproben in der Außenstelle Heidelberg untersucht. Davon waren 50 Proben (32%) Kryptosporidien-positiv. Im Jahr 2004 waren aus 103 Proben 30 (29%), im Jahr 2003 aus 119 Proben 32 (27%) positiv.
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