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Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe

Lebensmittelüberwachung und Tiergesundheit im Regierungsbezirk Karlsruhe

Jahresbericht 2003

Bilanz eines wirksamen Verbraucherschutzes − Untersuchungen auf hohem europäischem Standard

Wir alle sind als Verbraucher darauf angewiesen, dass Lebensmittel gesundheitlich unbedenklich sind. Im Regierungsbezirk Karlsruhe und in speziellen Bereichen darüber hinaus trägt das CVUA Karlsruhe zu einer hohen Lebensmittelsicherheit bei“, betonte Frau Leitende Veterinärdirektorin Dr. Susanne Hartmann am 27. September 2004 bei der Vorstellung des Jahresberichtes 2003 im Rahmen einer Pressekonferenz

Mit 21.899 untersuchten Proben und der Reakkreditierung nach der strengen EU-Norm ISO/IEC 17025 können wir uns dem nationalen und internationalen Vergleich stellen“ so Dr. Hartmann. „Dass nun auch die Arbeit der Tierseuchendiagnostik nach diesen strengen Vorgaben zertifiziert ist, freut uns besonders. Denn die Diagnostik sorgt für gesunde Tiere und nur gesunde Tiere liefern auch sichere Lebensmittel“, hob die Amtsleiterin hervor.

Die Beanstandungsquote der knapp 22.000 untersuchten Proben Lebensmittel, kosmetische Mittel, Bedarfsgegenstände, Umweltproben und Arzneimittel von 17,5 % muss aber relativiert werden. Unter dem Begriff „Beanstandung“ wird jede festgestellte Abweichung von der Norm, sei es in stofflicher Hinsicht oder im Hinblick auf formale Dinge wie Kennzeichnung, Genehmigungs- und „Meldeverfahren“ verstanden. „Mit 37 Proben lag die Anzahl der gesundheitsschädlichen oder gesundheitsgefährdenden Proben auch in diesem Jahr konstant niedrig“ stellte Dr. Hartmann erleichtert fest.

Dies zeige, dass der größte Teil der Lebensmittel einen sehr guten Standard erreicht habe. Damit dies auch in Zukunft so bleiben wird, werden Stichproben auf allen Stufen der Herstellung und des Handels untersucht.

Stellvertretend für das umfangreiche und komplexe Arbeitsgebiet des integrierten Chemischen und Veterinäruntersuchungsamtes Karlsruhe wurden folgende Themen vorgestellt:

Listerien in rohen Lebensmitteln wie Rohmilchkäse, Räucherlachs und Rohwürsten

Der Krankheitserreger mit dem lateinischen Namen „Listeria monocytogenes“ spielt in Lebensmitteln nach wie vor eine Rolle. In 3,7% der 1352 untersuchten Lebensmittelproben im Jahr 2003 am CVUA Karlsruhe wurde dieser Keim nachgewiesen. Besonders hohe Kontaminationen weisen Lebensmittel auf, die keiner keimabtötenden Behandlung mehr unterzogen werden wie Rohmilchkäse, Räucherlachs und Rohwürste.

„Listeria monocytogenes“ kann beim Verzehr von Lebensmitteln auf den Menschen übertragen werden. Bei gesunden Erwachsenen verläuft die Erkrankung weitgehend ohne Beschwerden oder es treten Symptome wie bei einer leichten Grippe auf. Bei älteren und abwehrgeschwächten Personen, sowie bei Schwangeren (hier ist das ungeborene Kind gefährdet) kann die Erkrankung wesentlich schwerer verlaufen. Bundesweit sind jedes Jahr über 200 Menschen davon betroffen. Ca. 20% dieser Erkrankungen nehmen einen tödlichen Verlauf. Der Ausbruch der sogenannten Listeriose hängt dabei stark von der mit dem Lebensmittel aufgenommenen Erregermenge ab. Lebensmittel mit mehr als 100 Keimen Listeria monocytogenes im Gramm dürfen daher nicht mehr in den Verkehr gebracht werden.

Bei einem Munsterkäse aus Rohmilch, der in einem Gastronomiebetrieb sechs Wochen über das angegebene Haltbarkeitsdatum hinaus gelagert wurde, stellte das CVUA Karlsruhe einen Keimgehalt von über 1000 Keimen pro Gramm fest. Mehr als 100 Keime pro Gramm wiesen ein vakuumverpackter geräucherter Wildlachs am Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums und eine Teewurst aus ökologischer Produktion auf.

Verbrauchertäuschung durch nachgemachte russische Wodkas

Als „Original Wodka“ bezeichnete Produkte können durch die Bezeichnung „Original“ und die überwiegend russisch sprachige Aufmachung der Etiketten den Eindruck erwecken, in Russland hergestellt worden zu sein. Eine Herkunftsangabe ist auf den Etiketten oft nicht genannt, als Vertreiber sind Firmen mit Sitz in Deutschland genannt.

Mit einer am CVUA Karlsruhe entwickelten Methode wurden zwei unter Verwendung von Leitungswasser in Deutschland hergestellte, irreführend als russisch aufgemachte Wodkas identifiziert. Das Verfahren basiert auf der sogenannten Ionenchromatographie, mit der die Summe von Chlorid , Nitrat und Sulfat bestimmt wird. Original russische Ware zeigt Gehalte von weniger als 7,2 mg/L, in Deutschland hergestellte Wodkas mehr als 11,5 mg/L. Der Untersuchungsbefund der beiden beanstandeten Wodkas zeigte Gehalte über 37 mg/L.

Nicht alles was nach Schweinepest aussieht, ist auch Schweinepest

Auf diese einfache Formel der komplexen Materie kann die am CVUA Karlsruhe etablierte Methode zum Nachweis des sogenannten Porcinen Dermatitis Nephropathic Syndrom (PDNS) gebracht werden.

Das PDNS, das der Schweinepest äußerlich „zum Verwechseln ähnlich“ ist, kann jetzt innerhalb weniger Stunden im Anschluss an die pathologisch-anatomische Untersuchung mit der molekularbiologischen Methode Polymerasekettenreaktion auf den Erreger, das sogenannte Circovirus Typ-2, nachgewiesen und von der „echten“ Schweinepest unterschieden werden.

Damit kann verhindert werden, dass beim Auftreten von PDNS in einem Tierbestand alle Schweine des Tierhalters vernichtet werden. Neben dem Tierschutzaspekt schützt die richtige Diagnose Tierhalter und den Staat vor immensen wirtschaftlichen Schäden.

Arzneimittelüberwachung: Super-Potenzmittel – leider nur Placebo

Die für Baden-Württemberg zentrale Arzneimittelprüfstelle am CVUA Karlsruhe hatte 2003 einen klassischen Fall von Verbrauchertäuschung zu begutachten.

Ein Potenzmittel mit reißerischem Namen wurde mit den Aussagen „hochdosiert – hochwirksam, Pheromon-Wirkstoff mit Androstenon, Androstenol und Vomeropherine, Warnung! Nur äußerlich anwenden! Extreme Wirkung!“ vertrieben.

Ein Verbraucher erhielt das Erzeugnis mit der Tagespost und mit einer Rechnung über 66,50 €, obwohl das Potenzelixier nicht von ihm bestellt wurde. Da er betrügerische Absichten vermutete, erstattete er Anzeige beim Wirtschaftskontrolldienst.

Die Untersuchungen zeigten weder die versprochenen Hormone, noch weitere anabol wirksame Verbindungen. Nachdem schon der Geruch an Rasierwasser erinnerte, legte auch die Analyse – Alkohol und einige etherische Öle – den Schluss nahe, dass es sich um ein solches gehandelt haben dürfte.

Weitere Informationen zu Listerien in Lebensmitteln

In der Umwelt sind Listerien weit verbreitet. Mangelnde Hygiene bei der Lebensmittelherstellung kann zur Verunreinigung der Lebensmittel mit Listerien beitragen. Fehlt es an entsprechenden Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen, können sich Listerien in ökologischen Nischen im Betrieb einnisten und immer wieder zur Verunreinigung der Lebensmittel führen. Listerien vermehren sie sich auch in Vakuumpackungen und bei längerer Lagerung im Kühlschrank. Viele Lebensmittel bieten daher den Listerien gute Wachstumsmöglichkeiten

So sind Räucherlachse stark mit Listeria monocytogenes belastet. Auch 2003 waren zwölf der 23 untersuchten Räucherlachse mit Listeria monocytogenes verunreinigt. Diese Fischerzeugnisse werden nicht erhitzt, sondern nur im kaltem Rauch geräuchert. Vorhandene Listerien werden daher nicht abgetötet. Die Keime können sich in den Vakuumverpackungen während der Lagerung im Kühlschrank gut vermehren. Das Lebensmittel weist dann gegen Ende der Haltbarkeit überhöhte Gehalte an Listerien auf.

Auch in Rohmilchkäse wurden in der Vergangenheit immer wieder erhöhte Listeriengehalte bekannt. Bei der Herstellung dieser Käse wird die Milch keiner Erhitzung, wie das sonst bei der Käseherstellung üblich ist, unterzogen. Auch hier kommt es während der Lagerung zur Vermehrung der im Käse vorhandenen Listerien.

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